Schwerpunkte

Digitalisierung

Die Digitalisierung verändert Strukturen und Abläufe in Wirtschaft und Verwaltung grundlegend und stellt das Wirtschafts- und Steuerrecht vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig eröffnet der digitale Wandel weitreichende Potenziale für Effizienz, Transparenz und Innovationsförderung, die es durch rechtliche Rahmenbedingungen aktiv zu gestalten gilt.

Im Steuerrecht stehen insbesondere die rechtlichen Implikationen digitaler Geschäftsmodelle, plattformbasierter Wertschöpfung und datengetriebener Unternehmensführung im Zentrum der Analyse. Relevante Fragestellungen betreffen die Besteuerung digitaler Wirtschaftstätigkeiten, den Einsatz von E-Invoicing- und E-Reporting-Systemen sowie die Einführung von Echtzeitkontrollmechanismen durch die Steuerverwaltung. Auch der Einsatz algorithmischer Systeme und künstlicher Intelligenz in der steuerlichen Risikoanalyse wirft grundlegende Fragen hinsichtlich Rechtssicherheit, Verhältnismäßigkeit und Datenschutz auf.

Besondere steuerrechtliche Herausforderungen ergeben sich im Kontext neuartiger Organisationsformen wie Decentralized Autonomous Organizations (DAOs). Diese blockchainbasierten, automatisiert gesteuerten Strukturen stellen die traditionellen Kategorien der steuerlichen Subjektfähigkeit, der Gewinnzurechnung sowie der Ansässigkeit und Transparenz vor grundlegende Prüfungen. Es bedarf einer rechtlichen Neubewertung der steuerlichen Behandlung solcher entmaterialisierter und grenzüberschreitend agierender Organisationsformen.

Im Wirtschaftsrecht rücken neben der Digitalisierung unternehmerischer Organisation auch zentrale gesellschaftsrechtliche Fragestellungen in den Fokus. Dazu zählen unter anderem die Auswirkungen automatisierter Entscheidungsprozesse auf die Geschäftsleiterverantwortung, Fragen der Zurechnung von Entscheidungen bei Einsatz autonomer Systeme sowie die Anpassung von Haftungsstrukturen und Governance-Regeln an digital transformierte Unternehmensrealitäten. Zudem gewinnen digitale Unternehmensregister, neue Formen der Kapitalbeschaffung über tokenisierte Beteiligungsmodelle und die rechtliche Ausgestaltung von digitalen Hauptversammlungen und Beschlussfassungen an Bedeutung.

Die zunehmende Digitalisierung der Corporate Governance sowie die Verzahnung technologischer Innovation mit gesellschaftsrechtlichen Grundprinzipien erfordert eine systematische Neubewertung bestehender Regelungsansätze. Ziel ist ein normativer Ordnungsrahmen, der digitale Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet, rechtliche Klarheit schafft und rechtsstaatliche sowie wirtschafts- und gesellschaftsrechtliche Grundwerte wahrt.